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Über die Theorie der Entwicklung der Runenschrift, möchten wir hier nur kurz eingehen. Sie wird höchstwahrscheinlich durch die Römer nach Germanien gelangt sein, die wiederum ihre Schrift den Etruskern zu verdanken haben. Es gibt auffällige Ähnlichkeiten zwischen der etruskischen Schrift, der archaisch-romanischen Schrift und den Runen der Germanen.
Die meisten Zeugnisse der Runeninschriften sind zwar in Skandinavien zu finden, aber der Ursprung dürfte im römisch besetzten Germanien liegen. Ähnlich wie die Indianer Nordamerikas die Schrift als ein Wunder ansahen, so könnten es auch die Germanen gesehen haben und diesen Zeichen etwas magisches angedichtet haben. Während die Kelten in Gallien bereits laut Gaius Julius Cäsar mit griechischen Buchstaben schrieben und in Städten lebten, waren die Germanen auf kleinen Höfen und Anwesen in ihren Stammesgebieten verteilt.
Bis auf einige Ausnahmen, die man als Runengraffiti bezeichnen könnte, wurden mit Runen magische Formeln und Bannsprüche wie magisch-religiöse Besitzerurkunden auf Sachgegenstände und Bildsteinen eingeritzt.
Die älteste Runenreihe wird nach ihren ersten sechs Zeichen als das “ältere FUTHARK“ bezeichnet, wobei das TH als das noch in frühmittelalterlicher Zeit gebräuchlichen Runenzeichen Þ geschrieben wird. Es ist auch heute noch auf Island gebräuchlich.
Das komplette “Alphabet” (wenn wir es mal so nennen wollen) der älteren so genannten 24er Reihe sieht folgendermaßen aus:
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Diese Runenreihe findet sich in dieser Anordnung auf dem Stein von Kylver (Gotland) in Schweden, aber auch auf verschiedenen anderen Zeugnissen, wie etwa auf den Brakteat von Vadstena oder bei den Südgermanen auf der Charnayspange, sodass es sich hier um eine gemeingermanische Runenreihe handelt.
In der heutigen Runenkunde ist dies auch das gebräuchlichste Runenalphabet und wird auch in dieser Reihenfolge zumindest in der Regel benutzt, bis auf einige Ausnahmen, die dann das sog. UTHARK verwenden. Es wird wegen der Unterscheidung zur 33er sog. Angelsächsischen Runenreihe auch als das “Ältere Futhark” bezeichnet, zudem gibt es noch das “Nordische Runenalphabet”
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| altenglisches oder anglo-friesisches FUTHORK |
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| nordisches oder jüngeres FUTHARK |
Man benennt die Runen etymologisch nach ihrer germanischen Bezeichnung folgender-maßen und hier werden wir nur die 24er Reihe oder das ältere Futhark betrachten:
| Rune | Lautwert | Bedeutung |
f |
*fehu = Vieh, Schaf, Fahrhabe | |
| u | *ûruz = Auerochse, Ur (Urrind, evt. eine ausgestorbene Rasse) | |
| th | *þurisaz = Thurse, Riese | |
| a | *ansuz = Anse, Gott, Ase (germ. Göttergeschlecht vgl. an.: áss) | |
| r | *raidô = Reiten, Fahrt | |
| c, k | *kaunan/*kenaz = Geschwür, Krankheit | |
| g | *gebô = Gabe, Geschenk | |
| w, v | *wunjô = Wonne, Glück, Zufriedenheit | |
| h | *hagalaz = Hagel (jähes verderben) | |
| n | *naudiz = Not, Zwang, Bedrängnis | |
| i | *îsaz/*îsa = Eis | |
| j, y | *jêran/*jera = Jahr | |
| ei | *îwaz/*eihwaz = Eibe | |
| p | *perþô = Fruchtbaum? (vgl. germ. persik = Pfirsisch) | |
| z | *algiz = Elch (Abwehr, Schutz) vergl. *alh und *alu | |
| s | *sôwilô = Sonne | |
| t | *tîwaz = Ziu, Kriegsgott, Gott, Himmlischer (vgl: an. Týr, ahd. Ziu) | |
| b | *berkana/*berkanaz = Birke, Birkenreis | |
| e | *ehwaz = Pferd, Streitross | |
| m | *mannaz = Mann, Mensch | |
| l | *laukaz = Lauch, evt. auch *laguz, Wasser, Lagune, See | |
| ŋ (ng) | *ingwaz/*ing = ein Fruchtbarkeitsgott, für Yngvi-Freyr oder Ingunar-Freyr | |
| d | *dagaz = Tag | |
| o | *ôþalan/*ôþala (auch *ôþila) = Erbgut, Landgut, ererbter Besitz |




